Der Igel zu Gast im Garten

Er ist hierzulande kaum wegzudenken und jeder kennt ihn - den europäischen Igel. Doch der stachlige Geselle ist von Lebensraumverlust bedroht und steht in Deutschland daher unter besonderem Schutz. Gärten bieten gute Ersatzreviere für den Igel, wo er sich im Gegenzug gern als Schädlingsvernichter verdient macht. Unter Berücksichtigung einiger Gestaltungstipps kann dabei jeder Garten zum igelfreundlichen Paradies werden.

igelimherbstlaub © kwasny221 / Fotolia

Der europäische Igel

Von den weltweit 24 Igelarten kommt in Deutschland fast ausschließlich der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) vor. Nur im äußersten Osten des Landes kann gelegentlich der seltenere Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) beobachtet werden. Wenn man vom europäischen Igel spricht, ist also genau genommen von zwei Arten die Rede, welche sich aber im Äußeren stark ähneln und im Verhalten gleichen. Typisch ist das dichte und unverwechselbare Stachelkleid. Igel kommen ursprünglich in strukturreichen Landschaften mit einem Mix aus Offenflächen und Gebüschen vor. So waren sie in der abwechslungsreichen Feldflur mit Hecken, Dickichten und Altrasenflächen häufig zu finden. In den zunehmend aufgeräumteren Agrarflächen, in denen Strukturelemente fehlen, und Nahrung knapp ist, ist für den Igel jedoch kein Platz mehr. Als erfolgreicher Kulturfolger erschloss er sich jedoch zunehmend Habitate im Siedlungsbereich, zu denen Parks, Brachflächen, Friedhöfe und auch Gärten gehören. Hier stellt der Insektenfresser bodenlebenden Kleinorganismen wie Würmern, Insekten, Asseln und Schnecken nach, um sich eine schützende Speckschicht für den Winterschlaf anzufressen. Ab etwa November, wenn die Nahrung knapp wird, zieht sich der Igel in seinen Unterschlupf für den Winter zurück und kommt erst im Frühjahr wieder hervor.

Zugang zum Garten

In der freien Natur durchstreifen Igel Reviere von bis zu 50 Hektar Größe und mehr, um ausreichend Nahrung zu finden. Im nahrungsreicheren Siedlungsbereich des Menschen ist das Revier eines einzeln Igels mit nur etwa 5 Hektar deutlich kleiner. Dennoch ist es eine grundlegende Voraussetzung für einen igelfreundlichen Garten, dass er als mögliches Revier nicht von unüberwindbaren Barrieren umschlossen ist. Geschlossene Mauern und engmaschige Zäune schließen den Igel aus. Um ihm den Zugang zu ermöglichen, reichen kleine Durchgänge von 13 x 13 Zentimeter in der geschlossenen Grundstücksumgrenzung. Auch Zäune, welche nicht bis zum Boden reichen, erlauben es dem Igel ungehindert zwischen den Gärten zu passieren.

So wird der Garten zum Igelparadies

Ein für Igel geeigneter Garten ist reich strukturiert und bietet sowohl Unterschlüpfe, Nistplätze und Nahrung. Zu aufgeräumte Gärten, die keine Rückzugsorte bieten, meidet das Stacheltier. Optimale Bedingungen schafft man mit natürlichen Gehölzen, die ausreichend Schutz bieten. Auch angelegte Todholzhecken oder -stapel erfüllen diesen Zweck. Idealerweise dürfen Sträucher und Hecken im Unterbereich verbuschen und eine Laubschicht ansammeln, die nicht geräumt wird. Für die Nahrungssuche bevorzugt der Igel hingegen offene Flächen, die nicht zu kurz geschoren sind. Wer seine gepflegte Hauptrasenfläche im Garten nicht missen möchte, kann in einem Teilbereich des Gartens einen Kompromiss schaffen, in dem nicht oder höchstens bis zu zweimal im Jahr gemäht wird. Dort und auch im Rest des Gartens sollte auf chemische Mittel wie Kunstdünger, Pestizide oder Schneckenkorn gänzlich verzichtet werden. Sie berauben den Igel nicht nur seiner Nahrungsgrundlage, sondern können im schlimmsten Fall zu Vergiftungen führen. Fallobst kann gerne etwas länger liegen gelassen werden. Obwohl der Igel als Insektenfresser nur ausnahmsweise selbst vom süßen Obst nascht, geht er zwischen den überreifen Früchten oft besonders erfolgreich zur Jagd. Eine flache Schale als Wasserstelle ermöglicht dem stacheligen Gast zudem seinen Durst zu stillen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt - tödliche Fallen vermeiden

Der ideale Igelgarten limitiert Gefahren, die für den Igel in menschlicher Nähe entstehen können. Kellertreppen, Gräben und Schächte können zur Sackgasse für das Stacheltier werden, aus denen es nicht entkommen kann. Abhilfe kann hier eine Rampe aus aufgeschütteter Erde oder einem schräg angebotenen Brett mit Querstrukturen schaffen. Steile Treppen können mithilfe von als Zwischenstufe angebotenen Ziegeln von Igeln und anderen Kleintieren überwunden werden. Eine tödliche Falle stellen auch Gartenteiche mit steilen Wänden dar. Auch hier kann ein Brett mit Querstreben zum Retter in der Not werden. Alternativ kann auch eine ins Wasser hängende Bambusmatte, welche an Land sicher befestigt ist, als rettende Ausstiegshilfe fungieren. Eine weitere Gefahr droht durch im Herbst zum Verbrennen zusammengetragene Gartenreste. Diese stellen ideale Unterschlupfmöglichkeiten dar, sodass die Gefahr besteht, dass sich ein Igel hier zurückgezogen hat. Direkt vor dem Verbrennen sollte der Haufen daher zunächst umgelagert werden, um eventuellen Gästen die Chance zur Flucht zu bieten.

Wann braucht der Igel im Garten Hilfe?

Eine naturnahe Gartengestaltung ist die beste Hilfe, die man einem Igel bieten kann. Mitunter kann es dennoch zu Situationen kommen, in denen der Gast im Garten scheinbar zusätzliche Hilfe benötigt. Beobachtet man einen kleinen Igel im Herbst, ist das in aller Regel jedoch kein Grund zum Eingreifen. Die Tiere unternehmen während des Loslösungsprozesses von der Mutter auch Alleingänge in benachbarte Gärten, kehren aber noch regelmäßig zum Säugen zurück. Auch Igeljunge im Nest werden nicht ganztägig von der Mutter betreut. Bei scheinbar verlassen Jungtieren sollte man daher zunächst über einige Stunden beobachten, ob die Mutter zurückkehrt. Ist man sich nicht sicher, ob der Igel sich die für die Überwinterung benötigten 500 g Mindestgewicht selbst anfressen kann, kann die Zufütterung eine effektive und stressfreie Option für das Tier darstellen. Dazu wird Katzennassfutter, eventuell mit etwas zerkleinerten Walnusskernen vermischt, in einer katzensicheren Box mit zwei 10 x 10 Zentimeter Zugängen bereitgestellt. Auch späte Jungigel können so erstaunlich schnell zulegen. Wirkt der Igel insgesamt propper, besteht auch bei kleinen Igeln kein Grund zur Beunruhigung. Bei der Zufütterung ist zur Vermeidung von Krankheitsübertragung unbedingt auf Reinlichkeit zu achten. Der Futterbereich und der Napf müssen täglich gründlich gereinigt werden. Nur wenn der Igel deutlich verletzt ist, permanent laut röchelnd atmet, apathisch ist oder sich nicht mehr einrollt, sollte das Tier einem Tierarzt vorgestellt werden.


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